Kevin Abosch  Synthetic Optimism

30/04/2022 – 03/09/2022

Crypto Kiosk
Rosa-Luxemburg-Straße 33
10178 Berlin

Opening / Eröffnung:
Freitag, 29. April 2022, 18 – 21 Uhr
Friday, April 29, 2022, 6 – 9pm

Öffnungszeiten / Opening hours:
Dienstag - Freitag 11 - 18 Uhr, Samstag 12 – 18 Uhr
Tuesday - Friday 11am - 6pm, Saturday 12 – 6pm

Special opening hours during Gallery Weekend:
Saturday, April 30, 11am - 7pm
Sunday, May 1, 11am - 7pm

Beachten Sie, dass Sie die Galerie nur mit einer FFP2-Maske betreten dürfen. / Please note that you may enter the gallery only with a FFP2 mask.

Press Release

An anonymous transaction on the blockchain shows that a large quantity of Bitcoin has moved from one wallet to another. Within a month, the nation of Qatar submitted a formal request to buy F-35 fighter jets from the United States. Then 16 months later President Vladimir Putin sends Russian troops into Ukraine on a “peace-keeping” mission that quickly reveals itself to be a genocide. In presenting these three events together, our natural inclination is to find connections between them. Does one influence the other? Is one the result of the others? Do we even have the data necessary to answer these questions?

Logic suggests that if we have enough pertinent data concerning a given event, we can surface truths that might not otherwise be known to us. As truth itself is often open to interpretation, perhaps no amount of data is ever sufficient to surface an absolute truth. Unlike the investigative journalist who verifies sources and adheres to journalistic principles, or the scientist who has the obligation to test results against the scientific method, I treat the collection and processing of data that informs my work in more of a ritualistic manner than a practical one. This is to say that I doubt subsequent attempts to work with the same data would yield identical results.

The truths I seek are found through the emotional distillation of my subjects. By working in a back-and-forth fashion with a computer, in a feedback loop, to some extent I come under the influence of the machine. I see and feel things differently in this state, and after recording my own interpretation of the data after the machine processes it, using deep-learning algorithms and more conventional machine-learning algorithms, I in turn make decisions on how the data is classified, pruned, encrypted, decrypted, and massaged before sending it back to the computer.

I gravitate toward subjects that challenge the nature of value and identity. Usually, this means posing ontological questions that respond to sociological and geopolitical dilemmas, frequently with an emphasis on the subtle relationships between multiple subjects. I’m not interested in impressing with technical prowess. I am, however, deeply invested in opening up emotional channels for those who experience my work. In doing so, I employ a battery of techniques in the execution of my work to bring the viewer, listener, or participant out of their logic-based mind. This is imperative so that with the finished state, these works that take the form of encrypted and obfuscated hexadecimal alphanumerics are not viewed as puzzles waiting to be solved. Behind every act of encryption is a story, and it’s usually a story of fear, but one must NEVER FEAR ART.

Turning to paint and other traditional art-making materials after so much digital preparation, adds a final human layer. It brings me out from under the influence of machine. The sensuality in the physical relationship between artist with the medium of paint on canvas or paper might seem in stark contrast with the relatively sterile environment of the computer, but they are just different interfaces through which we touch the final state of a work. I don’t prefer one over the other. I move happily between them with the belief that humankind can evolve through a deeper emotional engagement with our immediate and extended worlds.

- Kevin ABOSCH

 

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Eine anonyme Transaktion auf der Blockchain zeigt, dass eine große Menge an Bitcoin von einem Wallet in ein anderes verschoben wurde. Nicht einen Monat später stellte das Land Katar einen öffentlichen Antrag für den Kauf von F-35-Kampfjets von den Vereinigten. Dann, 16 Monate später, schickt Präsident Wladimir Putin russische Truppen zu einer "friedenserhaltenden" Mission in die Ukraine, die sich schnell als Völkermord entpuppte. Betrachtet man diese drei Ereignisse zusammen, scheint es nicht abwegig, Verbindungen herzustellen. Inwieweit beeinflusst das eine das andere? Folgt das eine auf das andere? Verfügen wir überhaupt über die notwendigen Daten, um diese Fragen zu beantworten?

Die Logik legt nahe, dass wir, verfügten wir über genügend relevante Daten zu einem bestimmten Ereignis, Wahrheiten aufdecken können, die sonst im Verborgenen bleiben würden. Da die Wahrheit selbst aber meist interpretationsfähig ist, reicht wahrscheinlich keine Datenmenge aus, um eine absolute Wahrheit zu finden. Anders als investigative Journalist:innen, die Quellen überprüfen und sich an journalistische Grundsätze halten, oder Wissenschaftler:innen, die verpflichtet sind, Ergebnisse anhand einer wissenschaftlichen Methode zu prüfen, behandle ich die Sammlung und Verarbeitung von Daten, die meinen Arbeiten vorausgehen, eher rituell als praktisch. Denn ich bezweifle, dass verschiedene Versuche mit gleichen Daten identische Ergebnisse liefern.

Die Wahrheiten, die ich suche, finde ich durch die emotionale Destillation meiner Themen. Indem ich Daten im Computer in einer Feedback-Schleife hin und her schicke, gerate ich gewissermaßen unter den Einfluss der Maschine. In diesem Zustand sehe und fühle ich die Dinge anders, und nachdem ich meine eigene Interpretation der Daten aufgezeichnet und verarbeitet habe – dabei verwende ich ‚Deep-Learning-Algorithmen‘ sowie konventionellere Algorithmen des ‚Maschinellen Lernens‘ – treffe ich wiederum Entscheidungen darüber, wie die Daten klassifiziert, beschnitten, verschlüsselt, entschlüsselt und geformt werden, bevor ich sie an den Computer zurücksende.

Mich interessieren Themen, die das Wesen von Wert und Identität in Frage stellen. Das bedeutet, dass ich primär ontologische Fragen stelle, die auf soziologische und geopolitische Dilemmata reagieren, häufig mit Schwerpunkt auf den subtilen Beziehungen zwischen verschiedenen Subjekten. Mein Ziel ist es nicht, mit technischen Fertigkeiten zu beeindrucken, vielmehr liegt mir daran, Emotionales mit meiner Kunst zu erwecken. Dafür wende ich eine Reihe von Techniken an, um die Betrachter:in, Zuhörer:in oder Teilnehmer:in aus ihrem logischen Denken herauszuholen. Denn das ist Voraussetzung, dass diese Werke, die die Form von verschlüsselten und verschleierten hexadezimalen Alphanummern annehmen, im fertigen Zustand nicht als Rätsel betrachtet werden, die erst noch darauf warten müssen, gelöst zu werden. Hinter jedem Akt der Verschlüsselung steht eine Geschichte, und es ist meist eine Geschichte der Angst, aber man darf NIEMALS ANGST VOR DER KUNST zu haben.

Indem ich mich nach so viel digitaler Vorbereitung der Farbe und anderen traditionellen künstlerischen Materialien zuwende, fügt sich letztlich eine menschliche Ebene im Weg ein, die mich aus dem Einfluss der Maschine befreit.

Die sinnliche Beziehung zwischen Künstler und dem Medium der Farbe auf Leinwand oder Papier mag in starkem Kontrast zu der relativ sterilen Umgebung des Computers stehen, es sind aber einfach unterschiedliche Schnittstellen, durch die wir den Endzustand eines Werks berühren. Ich ziehe das eine nicht dem anderen vor. Ich bewege mich gerne zwischen ihnen in der Überzeugung, dass sich die Menschheit durch eine tiefere emotionale Auseinandersetzung mit unserer unmittelbaren und erweiterten Welt weiterentwickeln kann.

- Kevin ABOSCH