Galerie Nagel Draxler

Thomas Kilpper "resist! – oder let it be!"

Eröffnung: Mittoch, 19. Juni 2013, 19-22 Uhr

Thomas Kilpper
ohne Titel (Uli Hoeneß), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
113 x 145 cm

Photo: Simon Vogel
Thomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Merkel & Hoeneß), 2013
Stahl, Fanschal und Tomatendose
181 x 156 x 80 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Airbag XXL), 2013
Airbags aus Unfallautos
330 x 140 x 85 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"resist! - oder let it be!", 2013
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Waleed Taleb", 2013
Autobleche auf Leinwand
80 x 82 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Lorin Radu", 2013
Autobleche auf Leinwand
90 x 90 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Oury Jalloh", 2013
Autobleche auf Leinwand
159 x 132 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Uli Hoeneß), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
113 x 145 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Pussy Riot), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
125 x 147 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Politische Versammlung), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
113 x 145 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Stéphane Hessel), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
105 x 134 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Zitat), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
113 x 145 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (silber), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
124 x 78 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (MEGAfon vor Volksbühne), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
115 x 142 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Cuauhtémoc Medina, „You may hate me“), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
69 x 113 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Fahndungsplakat), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
100 x 130 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Mohammad Rashepar), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
95 x 137 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Navid Kermani, Ephraim Lessing), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
105 x 135 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Angela Merkel/Destroy All Monsters), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
112 x 128 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Arundhati Roy), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
135 x 92 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Elfriede Jelinek), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
132 x 100 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Leni Riefenstahl), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
145 x 118 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Mike Kelley), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
140 x 110 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
ohne Titel (Car Crash), 2013
Kaltnadel auf Motorhaube
86 x 129 cm

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Attentat auf Genralbundesanwalt Buback", aus dem Projekt State of Control, 2009
Linolschnitt auf Papier, Unikat
170 x 224 cm (gerahmt)

Photo: Simon Vogel

Pressetext

Die Galerie Nagel Draxler zeigt mit resist! – oder let it be! ihre zweite Einzelausstellung des in Berlin lebenden Künstlers Thomas Kilpper.

Thomas Kilpper ist für seine raumgreifenden und gesellschaftspolitisch konnotierten Installationen und Interventionen bekannt. Für sein Projekt “State of Control” hat er beispielsweise Motive der deutschen Konfliktgeschichte (zum Thema Faschismus, DDR Diktatur, RAF und Überwachungsstaat) in den Linoleumboden der ehemaligen Stasizentrale in der Berliner Normannenstraße geschnitten. Für seinen Beitrag für den Skandinavischen Pavillon im Rahmen der Venedig Biennale 2011, der unter dem Thema “Freie Rede” stand, hat er eine Terassenkonstruktion aus Holzplanken gebaut, in deren Boden er Holzschnitte zum Thema Zensur ritzte. Dabei umfasst sein “Skizzenbuch” neben eigenen Aufzeichnungen und Entwürfen auch bekannte Medienfotos aus Archiven, Zeitungen und dem Internet. Für seine Ausstellung in der Galerie Nagel Draxler rekurriert Thomas Kilpper auf den Ort seiner Umgebung, den Rosa-Luxemburg Platz, den er als aufgeladenen Ort politischer Demonstration und Auseinandersetzung wahrnimmt.

Das Auto ist bekanntlich das liebste Kind der Deutschen und seine Produktion galt seit jeher als eines der  “Wirtschaftswunder” in der widerspruchsvollen deutschen Nachkriegsgeschichte. Heute werden Standorte geschlossen und Produktionen ausgelagert in Billiglohnländer, spiegelbildlich zu einer zunehmend bedrückenden internationalen Flüchtlingsproblematik. Kilpper nimmt sich in seiner neuen Produktion Autobleche zum Material. Seine sogenannten “Tattoos” sind Kaltnadelradierungen auf alten Motorhauben, die er auf Schrottplätzen zusammengekauft hat. Die Motive sind prägnante Bilder aus Zusammenhängen aktueller gesellschaftlicher Konflikte um Menschenrechte und Emanzipation. Gemeinsam ist ihnen, wie der Titel der Ausstellung resist! – oder let it be! andeutet, ein Impuls des Widersetzens gegen ein umgreifendes Gefühl der Ohnmacht im Hinblick auf aktuelle globale gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Problematiken und Krisen.

So verweist beispielweise eine Radierung, die das russische Künstlertrio Pussy Riot darstellt, auf die staatlichen Reaktionen und vor allem Repressionen in Zusammenhang mit kritischer Kunst. Porträts von Angela Merkel oder Uli Hoeneß thematisieren die schlagwortartig viel zitierte ‚Krise des Kapitalismus’, der die Verwicklungen zwischen Wirtschaft und Politik sowie die fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft in zwei Wohlstandsschichten zugrunde liegen. Die in ironischer Anlehnung an das Berliner Marx-Engels-Denkmal aus den 1980er Jahren entstandene Metallskulptur ‘Angela Merkels und Uli Hoeneß’, zeigt die Kanzlerin und den korrumpierten Bayernchef als Protagonisten der Deutschen Führungseliten (aus Politik und Fußball) in trauter Einigkeit. Die Skulptur aus zusammengenähten Airbags, die allesamt aus Unfällen stammen, schlägt beim Betreten der Galerie quasi zu und den Besuchern ins Gesicht. Ein aggressiver Schutz vor Verletzung, als makabrer Kunstgriff quasi die Umkehrung des Slogans: Macht kaputt was euch kaputt macht.

Kilppers abstrakte Bilder aus Autoblechresten, die auf Leinwände genietet sind, sind jeweils mit einem Namen eines afrikanischen Flüchtlings verbunden, sie sind den jeweiligen Opfern des staatlichen Umgangs mit Flüchtlingen und Migranten aus Armutsländern individuell und namentlich gewidmet und streichen auf diese Weise die kalte Abstraktheit der Opfer symbolisch durch.

Parallel zur Ausstellung, in Zusammenarbeit Thomas Kilppers mit dem Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V, entstand das Außenprojekt Megaphone, eine an zentraler Stelle des Rosa-Luxemburg-Platz installierte farbige Skulptur aus Autoblechen in Form eines riesigen trichterförmigen Sprachrohrs. Auch Megaphone  befragt aktuelle Machtverhältnisse unserer Gesellschaft: Wer kommt zu Wort? Wer verschafft sich Gehör? Wer ergreift die Initiative für gesellschaftliche Veränderungen? Bedeutet eine Stimme zu erheben gleichzeitig sich Macht anzueignen? Tragen “Freedom-of-Speech-Projekte” zur Verwirklichung von Demokratie bei oder verschleiern sie gar ihre Defizite?

“Megaphone” ist ein Kunstwerk mit Agitprop Charakter, eine Bühne fürs Volk vor der Volksbühne. Recycelte Bleche, recycelte Geschichte. Ein Aufruf zum Sprechen, “Denn ein Schwert kann zerbrochen werden und ein Mann kann auch zerbrochen werden, aber die Worte fallen in das Getriebe der Welt uneinholbar kenntlich machend die Dinge oder unkenntlich.” – Heiner Müller “Der Horatier” 1968