Lone Haugaard Madsen  Raum # 231 - Pynt

05/02/2009 – 06/13/2009

Eröffnung: 01. Mai 2009, 19-22
Ausstellung: 02. Mai - 13. Juni 2009

Press Release

Für Lone Haugaard Madsens künstlerischen Werdegang ist die Reflektion über die Bedingungen von Produktion und Repräsentation von Kunst unabdingbar. Sie hinterfragt die Parameter der jeweiligen Ausstellungssituation, den räumlichen und institutionellen Kontext, sowie ihre eigene Position darin und entwickelt aus dieser Hinterfragung konsequent die entsprechende Arbeit. Ältere Serien bestehen beispielsweise aus fotografierten Wandstücken, die wiederum auf die fotografierte Stelle im Raum projiziert werden, oder aus Fotoabzügen von Wandstücken, die gegen die Ausstellungswände gelehnt sind.

Lange Zeit stellte in ihrer streng raum- und kontextbezogenen Arbeit so etwas wie das „Kunstwerk“ eine Unmöglichkeit dar, bis sie sich mit ihrer Abschlussarbeit an der Akademie der Bildenden Künste Wien in einem Vortrag , quasi per bewusster Entscheidung, der nun folgenden „Objektproduktion“ zuwandte.

Die eleganten, rau-rohen und bisweilen sehr humorvollen Skulpturen und Objektformationen, für die man die Künstlerin inzwischen kennt, sind jedoch nicht einer plötzlichen Kehrtwende zu einem autonomen Kunstbegriff zu verdanken. Sie entstehen aus gefundenen Objekte und angesammelten Dingen, die aus künstlerischen Arbeitsprozessen als Nebenprodukte oder Abfall hervorgehen: Arbeitsunterlagen, Kisten, Bretter, Materialstückchen, Atelier – und Werkstattreste spiegeln diese Bezüge und Abhängigkeiten zwischen Werk und Raum stets wider. Ihre „künstlerische Kraft“ lässt sich mit konzeptuellen Überlegungen nicht vollständig fassen. Sie sind jedoch, wie Anette Freudenberger im Katalog zur Ausstellung in der Wiener Secession (2006) schreibt, „keine unschuldigen Kreationen, sondern sich ihrer komplexen Hintergründe stets bewusst“.

"Pynt" ist ein ambivalentes Wort aus dem Dänischen. Einerseits bedeutet „Pynt“ "Dekoration", so wie für einen Kuchen oder ein Wohnzimmer oder Ähnliches. Andererseits ist es eine Bezeichnung für ein Stück Land an der Küste, eigentlich deren äußerster Spitze, einer Art Abgrund. „Pynt“ könnte emblematisch sein für Haugaard Madsens Umgang mit der affirmativen Schönheit von Objekten, die sie künstlerisch (in den Abgrund) kippt, um zu etwas Neuem zu gelangen.

Ihre Arbeiten für die Ausstellung bei Christian Nagel Berlin spielen auf ironische Weise mit den Kategorien des Musealen und des Objektfetischismus.

Lone Haugaard Madsen ist 1974 in Silkeborg, Dänemark geboren.

Sie lebt und arbeitet in Kopenhagen und Wien.