Galerie Nagel Draxler

Joseph Zehrer "Strom"

Eröffnung: Freitag, 07. September 2012, 18 Uhr

Joseph Zehrer
"Strom", 2012
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon Vogel
Joseph Zehrer
"Strom", 2012
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

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"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

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"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

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"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

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"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelJoseph Zehrer
"Strom", 2012
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Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon Vogel

Pressetext

“Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes”, schrieb Lenin am 21. November 1920, zu finden in seinen gesammelten Werken in einem Kapitel mit dem Titel “Die Bewertung des technischen Fortschritts”. Die Glühbirne diente hierfür als Symbol. Die neue Ingenieurskunst brachte eine Ästhetik hervor, die Rodtschenko in seinen Fotografien festhielt. Das Design von Strommasten erinnert bis heute an die konstruktivistische Formensprache der künstlerischen Avantgarde Sowjetrusslands, die ihrem Impetus nach moderne Technik und soziale Emanzipation der Völker noch in Eins setzte. Der Kommunismus hat sich nicht durchgesetzt, elektrifiziert ist inzwischen fast die ganze Welt. 1920 bedeutete “Elektrifizierung” neben Licht- vor allem Fernmelde- und Radiotechnik, Mittel also der Kommunikation und damit der breitenwirksamen Vermittlung kommunistisch – avantgardistischer Politik.

Heute kann man sagen “Kapitalismus ist Finanzmacht plus Elektrifizierung der globalen Netzwerke”, denn in Zeiten hochtechnologisierter Datenübertragung (Quants), die das daytrading an den internationalen Finanzplätzen, an denen um das Schicksal ganzer Volkswirtschaften gezockt wird, in Zeitabschnitte von Nanosekunden unterteilt, geht zwar vieles ohne politische Verantwortung, aber nichts ohne Strom.

Einen drastisch elektrischen Zusammenhang zwischen Spiel und Tod kreiert Joseph Zehrer in einer zentralen Arbeit seiner Ausstellung STROM, in dem er eine Schaukel an eine Hochspannungsleitung hängt. Die Schaukel ist das Bild schlechthin für das narzistisch sich austobende Schneller – Höher – Weiter des Kinderspiels. Abheben. In Filmen steht eine leere Schaukel für Unglück. Strom umgibt uns in unserer Lebenswelt überall, meist unmerklich. Zehrer macht das sichtbar und nah, indem er den Strommast in einen Innenraum bringt.

Strom, Licht, Leiter, Grids, spielen im Werk Joseph Zehrers eine große Rolle. Seit Jahrzehnten experimentiert er mit Plexiglas als Material für Skulpturen sowie als Farb- und Bildträger. Die konstruktivistischen Rasterbilder sind nicht mit dem Pinsel gemalt, sondern mit einer Technik, bei der die Farbe auf Plexiglasstreifen aufgetragen wird, die wiederum auf das Bild gedrückt werden. Beim Abziehen entsteht eine maserige Struktur, die ineinander verläuft. Zehrers “Biomorpher Konstruktivismus” ist eine Übertragung der Formensprachen seiner Vorgänger in die Gegenwart.

Das “Kartoffelbild” steht am besten ganz für sich. Wollte man es ansiedeln, dann zwischen Kolchose, Beuys Capri-Batterie (das berühmte Multiple bestehend aus einer Zitrone mit angeschlossener Glühbirne) und Zehrerplex. Kartoffel = Stärke = Energie = Strom. Die Kartoffel ist die Ikone der Energiesymbolik!

Zehrers Arbeiten wirken oftmals wie intuitiv schöpferische Exkursionen in die Welt der Labor- und Medizintechnik oder der Glasfaser- und Leitertechnik. Es ist die unsichtbare Welt technischer und biologischer Organismen, die dabei imaginativ zum Vorschein kommt. Die Durchdringung des Menschlichen mit Technik (Cyborg) erscheint als faszinierend und erschreckend zugleich. Haut ist die Oberfläche, aber auch das Interface zwischen dem Sichtbaren und den darunterliegenden (Blut)-Bahnen und Leitungen. Zehrer entwirft in einer furiosen Vermischung von Referenzsystemen (geografischen, biologischen, technischen, künstlerischen) eine “Hautweltkarte” von Silicon Valley über White House bis Love Parade und Kölner Dom.

Die Ausstellung von Joseph Zehrer zu den diesjährigen DC Open findet in der Bismarckstraße 50 (50672 Köln) statt. Diese Adresse zählte in den 1970er Jahren zu den Epizentren der zeitgenössischen Kunst in Köln. Damit bilden wir den Auftakt zu einer Reihe von Ausstellungen, die die Galerie Christian Nagel an wechselnden, vergleichbar bedeutungsreichen Orten in Köln und im Rheinland zukünftig in loser Abfolge veranstalten wird.