Galerie Nagel Draxler

Thomas Kilpper "Punk statt Stasi"

Eröffnung: Freitag, 03. September 2010, 19-22 Uhr

Thomas-Kilpper01
Thomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelThomas Kilpper
"Punk statt Stasi", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon Vogel

Pressetext

„Ausgehend von der Historizität des jeweiligen Ortes entwickelt der Künstler Thomas Kilpper seine interventionistischen Arbeiten meist in zum Abriss stehenden Gebäuden. Sie bilden sein künstlerisches Material, in das er sich einschreibt. In seinen Floor Cuttings bearbeitet Kilpper in monatelanger Arbeit den Boden der Gebäude. Es sind vor allem Akteure der Geschichte, die in den Boden geschnitten werden. In der Verdichtung der Personen und der Zeitläufe werden neue Sichtweisen auf historische Fakten freigesetzt und spiegelt sich die gesellschaftliche Position des Künstlers. Von den Bodenschnitten werden Drucke genommen, die in der Tradition des Holz- und Linolschnitts stehen und ein eigenständiges künstlerisches Werk bilden.

„Verbirgt sich hinter ‚Geschichte’ eine Geschichte, besteht ‚Geschichte’ womöglich aus nichts anderem als einer unüberschaubaren Ansammlung von Narrativen, Fragmenten, Fußnoten? Verläuft ‚Geschichte’ linear und kohärent, oder vielmehr irregulär und asynchron? Geschichtsschreibung beruht auf konsensualen Annahmen, auf der Interpretation und Fiktionalisierung von Daten, Ereignissen und Fakten. Eine Geschichte der ‚Geschichte’ wird selten in den offiziellen Geschichtsbüchern erzählt; sie ist plural, nicht kanonisiert, oftmals fragil, auch inkohärent und emotionsgeladen – also subjektiv. Der ‚Geschichte’ gehen vielfältige, oftmals in Vergessenheit geratene Konfliktaustragungen voraus, Reden, Gegenreden, Interpretationen und Erfahrungen, Fallbeispiele und biographische Verstrickungen.(…)

Die Geschichte der ‚Geschichte’ steht im Mittelpunkt des Projektes State of Control von Thomas Kilpper. Als Ausgangspunkt seiner Geschichte hinter der allgemeinen Lesart der deutsch-deutschen ‚Geschichte’ wählte der Künstler einen der emotionalsten Aspekte der Wiedervereinigung: die Bewältigung der Vergangenheit anhand des Fallbeispiels der Staatssicherheit der DDR, der Stasi, die bis heute die Menschen aufwühlt und die Gesellschaft spaltet. Das Gebäude des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, in dem Thomas Kilpper seine historischen Sujets in monatelanger physischer Arbeit in den Boden geschnitten hat, wurde anlässlich des Projekts erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Gesamtfläche der Interventionen Thomas Kilppers in dem Gebäude betrug 1600qm.“[1]

Die Ausstellung zeigt neben den großformatigen Linolschnitten, die direkt von dem als Druckstock dienenden Kantinenboden des Stasigebäudes Normannenstraße 19 abgenommen wurden, ein Video, das am 20. Jahrestag seiner Besetzung einen Gang durch das Gebäude als point-of-view Kamera Fahrt wiedergibt. Die „subjektive Kamera“ bringt das gespenstische des leerstehenden Ortes zur Erfahrung und ist gleichzeitig Dokument. Das Gebäude wird höchstwahrscheinlich bald dem Abriss übergeben.

Als drittes Element der Ausstellung hat Thomas Kilpper die Köpfe der westdeutschen Nachkriegselite (Strauss, Kohl, Oetker, Siemens, Grass, Scheel, Leber, Gräfin Dönhoff, Krupp, Flick, etc.) in dadaistischer Tradition „verziert“. Die schwarz-weißen Fotografien entstammen allesamt dem Bildband „Gesichter einer Epoche“ von Paul Swiridoff.

Im Werk Thomas Kilppers  schneiden sich biografische Linien mit geschichtlichen und die Ereignisse werfen ihre Schatten zurück und voraus, vor allem aber vermitteln sie in der Gegenwart ein Gefühl eines identitätsbildenden Zusammenhangs von Herkunft und Verstrickung, dem sich nicht entkommen lässt.

Thomas Kilpper, geboren 1956, lebt und arbeitet in Berlin.
Dort betreibt er, neben seiner eigenen künstlerischen Praxis, den Ausstellungsraum after-the-butcher. Im Herbst 2010 nimmt er an Biennalen in Poznan und Lodz teil und führt ein Projekt in einem leer stehenden Gebäude in Naksov/Dänemark durch. Er ist gemeinsam mit vier anderen Künstlern Villa Romana-Preisträger (Florenz) 2011.


[1] Marius Babias: „Geschichte ist Montage“, in n.b.k. Thomas Kilpper. State of Control. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2009