Galerie Nagel Draxler

Andrea Fraser "Projection"

Eröffnung: 19. März 2008
Ausstellung: 20. März – 26. April 2008

Andrea Fraser
"Projection", 2008
Zweikanal, HD Video-Projektionsinstallation, 50 Minuten
Videostill
Andrea Fraser
"Projection", 2008
Zweikanal, HD Video-Projektionsinstallation, 50 Minuten
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"Projection", 2008
Zweikanal, HD Video-Projektionsinstallation, 50 Minuten
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"Projection", 2008
Zweikanal, HD Video-Projektionsinstallation, 50 Minuten
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Pressetext

Projection

Vom 20. März bis 26. April 2008 zeigt die Galerie Christian Nagel Projection eine 50 Minuten lange Video Installation von Andrea Fraser. Projection ist seit 1990 Andrea Frasers dritte Einzelausstellung in der Galerie Christian Nagel, allerdings ihre erste in Berlin.

Projection basiert auf Videoaufzeichnungen intensiver psychoanalytischer Sitzungen, an denen Andrea Fraser als Patientin teilnahm.
Fraser kopierte die Videoaufzeichnungen der Sitzungen, trennte die zwei Seiten des Dialogs und arbeitete sie in zwei individuelle Skripte aus jeweils fünf kurzen Monologen um. Die Übertragung des Dialogs in den Galerieraum, machte einige Änderungen notwendig, wie das Ersetzen des Präsens durch Vergangenheitsformen oder das Einfügen konkreter Nomen und Namen.
Andrea Fraser spricht bei der Aufzeichnung direkt in die Kamera. Lebensgroß und in abwechselnder Reihenfolge wird ihr Bild an die zwei gegenüberliegenden Wände des Galerieraums projiziert. Der Betrachter nimmt die Position des Adressaten oder Objektes ein. Auf diesem Weg versucht Fraser mit ihrer Arbeit latente psychologische Vorgänge aufzuzeigen, die unweigerlich auch die Beziehungen zwischen Künstler und ihren Kunstwerken, sowie deren Betrachtern bestimmen.

Seit Mitte der 80er Jahre hat Fraser unterschiedliche Aspekte der Kunstwelt erforscht, wobei ihr Schwerpunkt auf deren sozialen, institutionellen und ökonomischen Strukturen und Beziehungen lag. Projection ist Andrea Frasers bisher direktester Versuch, in ihrer Arbeit den psychoanalytischen Rahmen anzuwenden, der die Fundamente ihres schon früh entwickelten Ansatzes zur standortspezifischen Performance und institutionellen Kritik bildet. Gleichzeitig hinterfragt Projection die ihrer künstlerischen Vorgehensweise zu Grunde liegenden Aspekte aus einer spezifisch psychoanalytischen Perspektive. Die Installation setzt die psychologischen Interpretationen in Beziehung zum „Hier und Jetzt“ des Galerieraums und dem Betrachter, und folgt damit einer typischen psychoanalytischen Vorgehensweise. Das Paradoxe dieser „Ortsgebundenheit“, sind allerdings die dargestellten Beziehungen, welche im postulierten „Hier und Jetzt“ ihren Platz finden und deswegen von anderen Seiten und in einer anderen Szenerie beleuchtet werden. Die Handlungen der beteiligten Personen sind somit immer ein Nachspielen, eine Art von Performance.

Projection entstand auf Basis vergangener Auseinandersetzungen mit dem Thema der künstlerischen Ambivalenz (in Arbeiten wie Kunst muss Hängen und Official Welcome, beide 2001), ihrer Untersuchungen von öffentlichen und privaten Grenzen (Untitled, 2003) und Affekt geladener Ereignisse im Kontext der Kunst (A Visit to the Sistine Chapel, 2005). Ebenso basiert es auf den von der Künstlerin verfassten Texten, vor allem „Why Does Fred Sandback’s Work Make Me Cry?“ (Grey Room 22, Winter 2005) und „Psychoanalysis or Socioanalysis?“ (Texte zur Kunst, Dezember 2007).