Galerie Nagel Draxler

Peter Fend "Parallelprojekte. Vorschläge für Condoleezza Rice"

Eröffnung: 6. Mai 2005
Opening: May 6, 2005

peter-fend
Peter Fend

"PARALLELE PROJEKTE GEBIETE
Elbe-Weser Tal", 1996
Landkarte auf Karton

"GLOBAL TERROR", 2003
Leuchtkasten
40 x 300 x 15 cm	

"PARALLELE PROJEKTE GEBIETE
Persischer Golf", 2002
Flugkarte 1:500.000
Totes Meer, 2002
Fluglandkarte 1:500.000
ca. 680 x 500 cmPeter Fend
Ausstellungsansicht, 2005
"PARALLELPROJEKTE. Vorschläge für Condoleezza Rice"
Galerie Christian Nagel, Berlin"PARALLELE PROJEKTE GEBIETE
Persischer Golf", 2002
Flugkarte 1:500.000
Totes Meer, 2002
Fluglandkarte 1:500.000
ca. 680 x 500 cmPeter Fend
"PARALLELE PROJEKTE GEBIETE
Golf von Kalifornien", 2002
Flugkarte 1:500.000
Grosses Becken, 2002
Fluglandkarte 1:500.000
ca. 665 x 500 cmPeter Fend
Ausstellungsansicht, 2005
"PARALLELPROJEKTE. Vorschläge für Condoleezza Rice"
Galerie Christian Nagel, BerlinPeter Fend

"Water-Based Energy Technologies", 2000
Bleistift und Tusche auf Papier
gerahmt: 58 x 73,5 cm

"GLOBAL WARMING", 2003
Leuchtkasten
40 x 300 x 15 cmPeter Fend

"Urban Extrusion", 2004
Federwände
Federn, Hasenleim auf Holz
200 x 100 cm

"Vorschläge für Condoleezza Rice", 2005
13 Zeichnungen + 1 Text
Buntstift auf Papier in Klarsichtfolie
1:30.000.000Peter Fend
"Urban Extrusion", 2004
Federwände
Federn, Hasenleim auf Holz
200 x 100 cmUkrainische Parallele, 2004
Landkarte auf Karton	
1:2.000.000
61 x 77 cmPeter Fend
Deutsche Parallele, 2005
Landkarte auf Karton
61 x 77 cmPeter Fend
"Global Warming"
Leuchtkasten
20 x 125 x 15 cmPeter Fend
"Extruded Feathers/Produced Feathers", 2004
Karton
42 x 61 x 40,5 cmPeter Fend
"Test Area (Happer Dry Lake Basin, Sites to Buy)", 2003
Landkarten, Edding und Photos auf PappePeter Fend
"Urban Extrusion", 2004
70 Fotografien/Text auf Schaumkarton
je 21 x 30 cm
Installation:  139 x 300 cm

Pressetext

Fast ein Jahrhundert lang war Erdöl die Basis für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten. Als Rockefeller gezwungen wurde, sein Standard Oil (genannt S-O, oder Esso)- Monopol aufzugeben, feilschte er um eine Schlüsselrolle in der Außerpolitik. Das führte zur besonderen Beziehung zu Großbritannien, ging als Weltkriege über die Bühne und zeigt sich in den heutigen Militäreinsätzen in Afghanistan und im Irak.
Die Welt weiß jedoch, dass die Energieproduktion mit Mineralstoffen nicht Bestand haben kann. Erdöl verursacht das, was für viele eine der größten Bedrohungen darstellt: Die globale Erwärmung. Die Kämpfe um die Kontrolle über die Lagerstätten verursachen eine andere Bedrohung: Globalen Terrorismus. Gäbe es keine Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas, ob von einem der amerikanischen/britischen Multis oder von der russisch-iranischen Interessensgemeinschaft, gäbe es keine globale Erwärmung oder globalen Terror.
Weitere Energiequellen haben sich ebenfalls als problematisch herausgestellt: Staudämme blockieren Schlammablagerungen und die Wanderungszüge von Fischen. Hierdurch werden Ozeane und Flüsse ihrer Nährstoffe beraubt, Wasserkreisläufe unterbrochen und der Ausdehnung von Wüsten Vorschub geleistet. Nukleare Energie, neuerdings als Quelle für Wasserstoff befürwortet, verursacht immense Kapitalkosten, und, mit zeitlicher Verzögerung, Gefahr durch den strahlenden Abfall. Es ist Zeit für die erneuerbaren Energiequellen.

Circa ein Viertel des Energiebedarfs kann durch Wind-, Wellen-, Solar-, Gezeiten-Energie und aus geo-thermischen Quellen gedeckt werden. Der Großteil des Bedarfs kann von lebensfähigeren, verbreiterten Technologien geliefert werden, um die Versorgung mit Kohlenwasserstoffen und hydroelektrischer Energie zu sichern. Diese Technologien beruhen auf Wasser. Sie inkludieren die Züchtung und Ernte von Biomasse in Strömen, Seen, Kanälen und auf hoher See. Weiters sollen Staudämme durch Schleusensysteme ersetzt werden, die den unterschlächtigen Durchfluss ermöglichen sollen. Diese Technologien sind bekannt. In der Vergangenheit wurden sie verworfen, weil sie weniger „effektiv“ sind als fossile Brennstoffe oder Staudämme. Doch sie verursachen keinen Raubbau. Sie funktionieren langfristig. Sie reflektieren, was Beuys mit der Fettecke und den Marsch-Aktionen vorweggenommen hat und was Earth-Art- Künstler gebaut oder entworfen haben.

Es gibt Beispiele dafür. Seit den 1990er Jahren hat das US State Department ein Programm zum wissenschaftlichen und technologischen Austausch zwischen Wasserscheiden durchgeführt. Ein Programm zum Austausch zwischen dem Mississippi- und dem Jangtsekiang- Becken hat seitens der Weltbank und den USA zu Alternativvorschlägen gegen Mega-Dämme geführt. Diese Programme wurden auch für das Rio Grande– und das Einzugsgebiet des Gelben Flusses durchgeführt. Anfang der 1980er Jahre wurde von den USA und China der Versuch unternommen, in New York Technologien zu entwickeln, um maritime Biomasse als Quelle erneuerbarer, abgasfreier Kohlenwasserstoffe zu benutzen, ohne globale Erwärmung oder Terrorismus herbeizuführen. Aber das war zu noch früh. Der Ich versuchte, die Anstrengungen mit einem Studio im World Trade Center von neuem voranzutreiben. Noch mal von vorne, bitte.

Eine zweite Rechtsgrundlage liefert das Entwicklungsprogramm der UN. Seit den 1970er Jahren wurden weltweite Managementprogramme für lokale Meeresbecken entworfen. Kunstgeschichtler sagten kürzlich, das wichtigste Kunstwerk des vergangenen Jahrhunderts sei der „Brunnen (Urinale)“ von Marcel Duchamps. Wenn wir uns darauf verlassen, können wir die praktischen Anwendungen für Süßwasser-Einzugsgebiete ausweiten, um Gewissheit darüber zu erlangen, was sich in die Salzwasserbecken ergießt. Auf diese Weise Könnte es einen technologischen und wissenschaftlichen Austausch nicht nur zwischen den Einzugsgebieten von Flüssen, sondern auch zwischen regionalen Meeresbecken geben.

Dieser Austausch könnte sich über eine Phase der Ratschläge oder Verbote weiterentwickeln, bis hin zu tatsächlichen Bauvorhaben. Entwürfe könnten aus der Durchsicht aktueller Earth Art – Projekte gewonnen werden, der Nachrichtenverkehr könnte sich Systeme zunutze machen, die aus der Digital- und Videokunst stammen. Wenn Smithson’s Spiral Jetty (Landungsbrücke) ein Paradigma für den Gebrauch von Land wäre, müssten hydrologische Salzwasser-Kreisläufe, die von Bioorganismen bewirkt werden, ein globales Ziel sein. Die Logik hierbei hat nichts mit Politik zu tun. Sondern mit Materialien. Es hat damit zu tun, dass Wasser und Erde der Schwerkraft unterworfen sind. Es hat mit den derben Materialien vieler Kunst zu tun. Wir erarbeiten unsere Techniken durch die Architektur, und wir erfüllen dabei drei der vier Forderungen von Leon Battista Alberti an diese Disziplin, nämlich 1) saubere Luft, 2) saubere Gewässer und 3) territoriale Verteidigung. Solch eine „globale Architektur“, wie Jonathan Crary sie genannt hat, verlangt kein Trachten nach globaler Hegemonie. Es verlangt vielmehr die Erkenntnis, wie die Welt funktioniert: Sie dreht sich um sich selbst. Durch diese Kreiselbewegung entstand, was Alfred Wegener, Vater der modernen Geologie, erkannte und was der Vater der modernen Landschaftsmalerei, Caspar David Friedrich sich in den „Eisschollen (Die gescheiterte Hoffnung)“ vorgestellt hat, nämlich das Zusammendriften von Stücken der Erdkruste zu kollidierten, sich erhebenden Agglomerationen, die wir Kontinente nennen. Die Kontinentaldrift hat zu zwei Hauptagglomerationen geführt, die sich von der zentralen Landmasse der Antarktis wegbewegen: Die eurasisch-afrikanische Landmasse, die historisch als Alte Welt bezeichnet wird, und die amerikanischen Landmassen, die Neue Welt. Die Alte und die Neue Welt haben eine parallele Entwicklung durchlaufen. Eine US-amerikanische Behörde für wissenschaftlich-technologischen Austausch, um die globale Erwärmung rückgängig zu machen und den globalen Terrorismus weitgehend zu reduzieren, könnte in der Neuen Welt eingerichtet werden, parallel zu den entsprechenden lokalen Meeresbecken in der Alten Welt. Was vor über zwei Jahrhunderten in der Monroe-Doktrin ihren Ausdruck fand, die Neue Welt als ein zu verteidigendes Gebiet zu behandeln, hat nun eine geologische Bedeutung.

Ich präsentiere vergleichbare Meeresbecken, die für parallele Projekte in Frage kommen.

Um der zweiten Verpflichtung der Architektur, der nach sauberen Gewässern, nachzukommen, habe ich künstlerische „Ausflüge“ der letzten Jahrzehnte durchforscht, die sich mit der Umwandlung urbaner Abfälle in Nährstoffe beschäftigten, die, mittels einer Phase der Fett-Ecke, entlang der Flugschneisen von Zugvögeln zur Aufnahme bereit stehen sollen.

Die eingesetzten Organismen und Technologien für das Management von Erdkrume und Wasser können auch in den deutschen Salzwasserbecken eingesetzt werden. Parallele Projekte könnten an der Weser/Elbe, die sich in die Deutsche Bucht ergießen, sowie an der Oder, die sich in die relativ salzhaltige Zone des Baltikums zwischen Flensburg und Danzig abfließt durchgeführt werden. Diese beiden Regionen können in Übereinstimmung mit einem ähnlich halb umschlossenen Gebiet, der Japanischen See, entwickelt werden. Wenn folglich die USA ihre Außenpolitik erneuern würden, warum sollten dann Länder wie Deutschland nicht dasselbe tun- aber effizienter?

PETER FEND

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For almost a century, US foreign policy has been based on petroleum. When Rockefeller was forced to break up his Standard Oil monopoly, called S-O, or Esso, he bargained for a key voice in foreign policy. This led to the special relationship with Britain, enacted in World Wars, and today’s deployments in Iraq and Afghanistan.

But the world knows that producing energy with minerals cannot last. Petroleum causes what many say is a No. 1 threat: Global Warming. And struggles for control of petroleum cause what others say is a threat: Global Terror. If there were no dependence on oil and gas, whether from the US/UK majors or a Russia-Iran bloc, there would be no Global Warming or Global Terror.

Other sources of energy have also become difficult. High-dam hydroelectric blocks silt and fish flow, starving both rivers and oceans of nutrients and breaking water cycles, spawning Deserts. And nuclear, advocated now as a source of hydrogen, has huge capital costs, with time lag, and danger from waste. So, move ahead with Renewables.

About a fourth of demand can be met with Wind, Wave, Solar, Tidal, Geothermal. But the bulk will come from more viable, ongoing technologies for securing hydrocarbons and hydroelectric. These are water-based technologies. They include biomass growth and extraction, in streams, lakes, canals, and offshore, and the replacement of dams with slides, for undershot through-flow. The technologies are known. They have been ruled out in the past because they are less “efficient” than fossil fuels or high dams. Yet they cause no depletion. They work long-term. They reflect what Beuys prefigured with Fat Corner and Marsch Aktionen and what earth artists have built or designed.

A policy based on water has legal precedent. Since the 1990s, the US State Department has conducted a program of scientific and technical exchange between watersheds—with policy results. A program of exchange between the Mississippi Basin and Yangtze Basin led to proposals for alternatives to mega-dams, from both the US and World Bank. Programs of exchange have also been conducted between the Rio Grande Basin and Yellow River Basin of China. In the early 1980s, a US-China effort was launched in NY to develop technologies for marine-biomass as a source of renewable, zero-emissions hydrocarbons, inducing neither Warming nor Terror, but that was too early. The artist tried to re-ignite that effort with a studio in NY’s World Trade Center…. Try again.

A second legal foundation comes from the United Nations Environment Program, which since the 1970s has set up management programs worldwide for respective regional seas. Relying on what art-historians said recently was the most important artwork of the past century—the Fountain (Urinal) of Marcel Duchamp—we can expand the river-basin practice to account for everything sloping and flowing into saltwater bodies.. Thus, there could be scientific and technical exchange between not just river basins but regional-sea basins. The exchange can proceed beyond advice and interdiction to on-site projects. Designs can come from recent Earth Art monitoring and communication use methods from Video and Digital Art. If Smithson’s Spiral Jetty were a paradigm for land use, then saltwater-hydrologic cycles, effected through biological species, would be a global aim.

The logic here has not to do with politics. It has to do with materials. It has to do with soil and water subject to gravity. It has to do with the raw stuff of much art. We elaborate these practices through the discipline of Architecture, meeting three of the four requirements in that discipline asserted by Alberti: (1) clean air, (2) living waters, and (3) territorial defense..

Such a “global architecture,” as Jonathan Crary called it, does not require attempts at global hegemony. It requires instead a recognition of how the globe works: it spins. In the spinning, there has been what the founder of modern geology, Alfred Wegener, identified—or what the painter of modern landscape, Casper David Friedrich, imaged with “Polar Sea”, the drift of pieces of Earth’s crust into collided, upheaved agglomerations called continents. The spinning has led to two major agglomerations spreading outward from the land-mass center of Antarctica: the Eurasian/Africa mass, historically called the Old World; the Americas mass, historically called the New World. The Old World and New World have evolved in parallel. A US State Department of scientific and technical exchange to reverse Global Warming and very much reduce Global Terror, moving beyond depletable fuel systems, can be based in the New World with, basin by basin, a parallel regional-sea basin in the Old World. What has been voiced two centuries ago as the Monroe Doctrine, treating the New World as a defendable zone, now has geological meaning.

The artists presents comparable basins, suitable for parallel projects.

To meet the second obligation of architecture, for clean water, the artist has researched art forays of recent decades to propose the conversion of urban wastes through a Fat Corner phase, i.e., into nutrients for uptake along migratory bird flyways.

In all cases, the organisms involved, and the technologies for soil/water management required, can occur within Germany”s own saltwater basins. Parallel projects can be conducted for the Weser/Elbe flowing into the Deutsche Bucht of the North Sea, and for the Oder flowing into the relatively-salty part of the Baltic, from Flensburg to Gdansk. These two regions can be comparably-developed in correspondence with a similar semi-enclosed region, the Sea of Japan. If the US were to modernize its foreign policy thus, would not countries like Germany do the same—more efficiently?

PETER FEND