Galerie Nagel Draxler

Sterling Ruby "Paintings and Benches"

Eröffnung: Donnerstag, 27. September 2007, 18 Uhr
Opening: Thursday, September 27th, 2007, 6 pm

Sterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon Vogel
Sterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon VogelSterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon VogelSterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon VogelSterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon VogelSterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon VogelSterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

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"Paintings and Benches", 2007
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"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

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"Paintings and Benches", 2007
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Photo: Simon VogelSterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

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"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

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"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

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"Paintings and Benches", 2007
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"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

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"Paintings and Benches", 2007
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"Paintings and Benches", 2007
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"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

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"Paintings and Benches", 2007
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"Paintings and Benches", 2007
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"Paintings and Benches", 2007
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"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon VogelSterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

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"Paintings and Benches", 2007
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"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon VogelSterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon VogelSterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon VogelSterling Ruby
"Paintings and Benches", 2007
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Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Simon Vogel

Pressetext

Sterling Ruby kombiniert in seiner zweiten Ausstellung in der Galerie Christian Nagel, „Paintings & Benches“ großformatige Sprühfarben-Malerei mit beschrifteten Formica-Sculpturen und schafft damit eine Raumsituation, die durch Rothkos berühmte Kapelle in Houston inspiriert ist.

Rubys Arbeit ist an sich schon einer Art sokratischen Dialog zwischen Ordnung und ihrem Bruch gewidmet. Als ein Mittel diese lockere rhetorische Konversation herzustellen, eignet sich Ruby ausdrücklich und bewußt viele formale Aspekte der politisch abstoßenden Machtarchitektur an und lenkt sie um. Seine entscheidenden Leitmotive tragen daher unbeirrbar Beziehungen zu Strategien, die von einigen der in der Geschichte notorischsten Lieferanten von Macht als Struktur benutzt wurden, währenddessen sie ein vernehmliches Brummen von Widerspruch aussenden.

Exempel hierfür sind innerhalb des Rahmens von Rubys Praxis reichlich vorhanden. Zum Beispiel: Die Theorie des Ruinenwerts, aufgestellt von Albert Speer (dem führenden Städteplaner des Dritten Reichs), beinhaltete, dass Gebäude entworfen werden sollten mit der zugrundeliegenden Intention, gebieterische Ruinen zu erzeugen. Rubys Strukturen und Oberflächen (die manchmal formale Anleihen bei faschistischen Konstruktionen machen, nur um sie alsdann implodieren zu lassen und zu verspotten) sind gleichermaßen entworfen mit den unmittelbaren Anzeichen von eingebauter Verwahrlosung und Entweihung. Im Gegensatz jedoch zur Propagierung des Reichs von Relikten, in der Intention, die ewige Größe des Emperiums zu unterstreichen, deuten Rubys augenblicklich entstellte notdürftige Monumente auf die leichte Vergänglichkeit unveränderlicher Perfektion, die immer außer Kraft gesetzt wird von proteischer Unmittelbarkeit. Sie sprechen von der Unfähigkeit der Macht zu dauern, von ihrer unausweichlichen Auflösung.

In der Tat ist Ruby zunehmend beschäftigt mit unzähligen, weiträumigen Dialektiken in Bezug auf unterschiedlichen Strukturen der Unordnung (oder gebrochenen Ordnung). Von James Q. Wilsons und George Kellings „Broken Window“-Theorie – ein geradezu abergläubiges Palliativ gegen den Verfall erzeugenden Verfall, das entwickelt wurde, um marode amerikanische Wohngegenden mit Anleitung gegen Verbrechen, Graffiti und allgemeine Zerstörung auszustatten – bis hin zu Walter Benjamins Überlegungen über Malerei als ein unlösbar widerstreitender Dieder von Zeichen und Markierung, testet Ruby aktiv diese Thesen, indem er ein Patchwork-Ethos konstruiert, das an der Unausweichlichkeit reflexiven, unendlich erneuerbaren Konflikts festhält.

Seine sich daraus ergebende Ästhetik wimmelt von gegensätzlichen Methoden des Ausdrucks. Häufig tanzt die territoriale, krypto-lexikalische Spur von Vandalismus über mangelhafte Oberflächen von Objekten, die großzügig Bezug nehmen auf breite Querschnitte kanonischer Hoch- (und Klein-) Kunsttraditionen: neo-minimalistische geometrische Skulpturen und Monolithe, aufwärts tropfende Polyurethan-„Action“-Skulpturen, zweideutige biomorphe, kunsthandwerkartige Keramiken, quasi-expressionistisch-aktionistische Zeichnungen, punk/situatio¬nis¬tische Kollagen, und … Malerei.

In dieser letzten untersucht Ruby vielleicht die direkteste, reduzierteste Manifestation seiner Ästhetik der Unterbrechung. Nachdem Ruby seinen polyvalenten Produktionsprozess fest als ein Raum etabliert hat, innerhalb dessen sich auf die regenerative Konstante der Entstellung zu konzentrieren ist (Benjamins graphische Linie… oder ist es das absolute Zeichen?), greift er zurück auf ein Faksimile der grellsten Grafitti- Sprühtechniken als einer Art indiskriminierten Schadstoff der Form mit dem ernstesten Objekt oder Oberfläche als genauso empfänglich wie das niedrigste. Befreit auf der Oberfläche einer Skulptur oder als Grund für eine Zeichnung oder Collage agiert seine Sprühfarben-„burnout“-Attacke als ein Bestandteil einer komplizierten Suprastruktur von Signifikanten, um tendenziell zu schwer fassbaren, Genre zertrümmernden Hybriden zu führen.

In seinen neuen Gemälden jedoch schwebt Sprühfarbe auf nackter Leinwand; Spuren angedeuter Schändung sind jetzt das zentrale Thema, das nicht mehr die Logik eines anders denkenden Dings stört. Infektion selbst scheint hier ausgestellt, gefroren… offen, vielleicht, für irgendeine neue Möglichkeit der Infektion. Schnellvorlaufend im Schnellvorlauf. Zerbrochene Fenster.

Erik Frydenborg
Los Angeles, 2007

Geboren 1972 in Bitburg, West-Deutschland, graduierte Sterling Ruby an der School of the Art Institute of Chicago und erhielt seinen MFA am Art Center College of Design in Pasadena, Kalifornien. Während dieses letzten Jahrs nahm er teil an der Moscow Biennale of Contemporary Art, der California Biennial at the Orange County Museum und Red Eye: L.A. Artists from the Rubell Collection in Miami, Florida. Kommende Einzelausstellungen, einschließlich dem Museum of Contemporary Art, Los Angeles, The Drawing Center, New York und Galleria D’Arte Moderna e Contemporanea, Bergamo. Ruby wird ebenfalls an der ersten internationalen Gruppenausstellung am Ullens Center for Contemporary Art in Beijing teilnehmen. Er lebt und arbeitet in Los Angeles, Kalifornien.

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Sterling Ruby’s second exhibition with Galerie Christian Nagel, “Paintings & Benches” focuses on a Rothko Chapel inspired combination of spray-paint paintings and inscribed formica sculptures.

Ruby’s work is inherently dedicated to a sort of Socratic dialogue between order and its disruption. As a means of establishing this loosely rhetorical conversation, Ruby expressly and consciously appropriates and redirects many formal aspects of the politically unsavory architecture of power. His crucial leitmotifs thus bear unflinching relations to strategies employed by some of history’s most notorious purveyors of power as structure, all the while emitting a palpable hum of dissent.

Examples abound within the scope of Ruby’s practice. For instance: The Theory of Ruin Value, advanced by Albert Speer (the premier urban planner of the Third Reich) held that buildings should be designed with the underlying intention of begetting magisterial ruins. Ruby’s structures and surfaces (sometimes borrowing formal cues from fascist constructions, only to then implode and deride them) are similarly designed with the immediate signs of dilapidation and desecration built in. However, in contrast to the Reich’s propagation of relics intended to underscore the eternal grandeur of empire, Ruby’s instantly defaced, makeshift monuments point at the flimsy transience of immutable perfection, always overruled by protean immediacy. They speak of power’s inability to hold, of its inevitable denouement.

In fact, Ruby is increasingly engaged with myriad, wide-ranging dialectics regarding various structures of disorder (or ruptured order) From James Q. Wilson’s and George Kelling’s “Broken Window” theory— an almost superstitious palliative against decay begetting decay, developed to provide guidance to ailing American neighborhoods in fighting crime, graffiti, and general deterioration –to Walter Benjamin’s musings on Painting as an insolubly conflicted dihedron of Sign and Mark, Ruby actively tests these theses, constructing a patchwork ethos that holds to the inevitability of reflexive, endlessly renewable conflict.

His resultant aesthetic teems with oppositional methods of expression. Frequently, the territorial, crypto-lexical mark of vandalism dances across wanting surfaces of objects liberally referencing wide cross-sections of canonical high (and low) art traditions: neo-minimalist geometric sculptures and monoliths, upwardly dripping polyurethane “action” sculptures, ambiguously biomorphic craft-scale ceramics, quasi-expressionist-cum-actionist drawings, punk/situationist collages, and… paintings.

In these last, Ruby explores perhaps the most direct, pared down manifestation of his aesthetics of disruption. Having firmly established this multivalent production process as a space within which to focus on the regenerative constant of defacement (Benjamin’s graphic line… or is it the absolute sign?) Ruby deploys a facsimile of the crudest tagger’s spray paint techniques as a kind of indiscriminate pollutant of form, with the most austere object or surface as susceptible as the most base. When loosed on the surface of a sculpture, or as the ground for a drawing or collage, his spraypaint “burnout” attack acts as one component of a complicated superstructure of signifiers, tending to result in elusive, genre-smashing hybrids. But in his new paintings, spraypaint free floats on blank canvas; traces of suggested desecration are now the central subject, no longer infecting the logic of a differently minded thing. Infection itself here seems exposed, frozen… open, maybe, to some new possibility of infection. Fast-forward on fast-forward. Broken windows.

Erik Frydenborg
Los Angeles, 2007

Born in Bitburg, Germany in 1972, Sterling Ruby graduated from the School of the Art Institute of Chicago and received his MFA from Art Center College of Design in Pasadena, California. during this past year, he participated in the Moscow Biennale of Contemporary Art, the California Biennial at the Orange County Museum and Red Eye: L.A. Artists from the Rubell Collection in Miami, Florida. Upcoming 2008 solo exhibitions include Museum of Contemporary Art, Los Angeles, The Drawing Center, New York and Galleria D’Arte Moderna e Contemporanea, Bergamo. Ruby will also participate in the first international group exhibition at the Ullens Center for Contemporary Art in Beijing. He lives and works in Los Angeles, California.