Galerie Nagel Draxler

Gruppenausstellung "NEUE WARE"

Eröffnung: Freitag, 11. Januar 2013, 19-22 Uhr

Galerie Christian Nagel im
Dumont-Carré / Parterre
Breite Str. 80-90
50667 Köln

"Neue Ware", 2013
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel
"Neue Ware", 2013
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel"Neue Ware", 2013
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel"Neue Ware", 2013
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel"Neue Ware", 2013
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel"Neue Ware", 2013
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel"Neue Ware", 2013
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel"Neue Ware", 2013
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Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel"Neue Ware", 2013
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel"Neue Ware", 2013
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel"Neue Ware", 2013
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Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel"Neue Ware", 2013
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel im Dumont-Carré, Köln

Photo: Simon Vogel

Pressetext

Im 20. Jahrhundert entfaltete sich vollends die seit der Industrialisierung beschleunigt hervortretende Diskrepanz zwischen dem Gebrauchswert und dem Warenwert von Objekten. Die Strategien der Werbung, massenwirksam geworden durch neue Medien und Displays, befeuerten das Erscheinen von immer mehr Konsumgütern.

In den Werken Walter Benjamins, Georges Perecs oder auch Franz Xaver Kroetz, Bret Easton Ellis oder Michel Houllebeques, werden die schillernden und ineinandergreifenden Welten der Waren, Zeichen und Bilder und die von ihnen in Gang gesetzten gesellschaftlichen Psychodynamiken reflektiert. Von der Fotografie und den Pariser Passagen bis zu Fernsehen, digitalen Medien und Shopping Malls steht der moderne Mensch im Strudel der Gier nach Dingen, Gadgets, Warenfetischen. Auch Kunst ist Ware und der Wert der Kunst erscheint zunehmend mit ihrem Preis identisch, ein Produkt des Marktes.

Eine Reihe von Künstlerinnen und Künstlern entwickelten nun ihrerseits Strategien um dieser schwer zu entgehenden Realität zu begegnen. Angefangen von der Pop Art über die Appropriation Art und den verschiedensten Ansätzen der Concept Art (60er – 80er Jahre bis heute), zielen sie darauf ab, den ihren Arbeiten (bedingt durch den Kontext ihres Erscheinens nämlich der Kunstwelt) innewohnenden Kunststatus in Frage zu stellen, indem gerade ihr “Gebrauchswert” hervorgekehrt wird. Da es sich nach wie vor um Kunstwerke handelt, ist dieser “Gebrauchswert” – in der vorliegenden Ausstellung vielleicht mit Ausnahme der “Garderobenbilder” von MIRJAM THOMANN und JAN TIMME, die ausdrücklich benutzt werden sollen – selten funktional.

So zeigen MARTHA ROSLER’S Fotografien von Schaufensterauslagen nicht eigentlich die zum Verkauf stehenden Waren, sie zeigen die gesellschaftlichen Klischees, die ihren Inszenierungen zugrunde liegen. Wie oft in der Arbeit der großartigen Fotokünstlerin, die Rosler neben ihrem politischen Engagement eben auch ist, hält sie eine Bildkomposition fest, ein vorgefundenes “Tableau Vivant” sprechender Gegenstände.

JOHN MILLER’S Bezug auf Phänomene aus dem Bereich der Popular Culture, dem Fernsehen und der Warenästhetik sowie dem unter der Oberfläche des Tagesgeschäfts gehaltenen unheimlich Unbewussten, erscheinen hier quasi emblematisch aufs Wesentliche reduziert: Die Schaufensterpuppe mit einem Bein in der (eigenen) Scheiße.

Die “Compositions Trouvées” von GUILLAUME BIJL reflektieren auf den kulturgeschichtlichen Wandel alltäglicher Objektbeziehungen, sowie auf die Praxis des Ausstellens von Kunst. Sammlungen, Flohmärkte, Dekorations- und Erinnerungsstücke spiegeln die bürgerliche Sehnsucht nach einem Zuhause in Raum und Zeit, das möglichst in der eigenen Lebensgeschichte verwurzelt sein soll. Die Patina der Objekte spielt mit dem Schein des Echten. Das Echte (Original im Gegensatz zu Kopie = Kunst) und das Authentische (als unverwechselbar Individuelles = Leben) werden hier, als haltgebende Attribute gleichermaßen indiziert.

Bibliotheken sind Panoptiken des in Buchform objektivierten Weltwissens. CLEGG & GUTTMANN verwandelten sie in diesen Arbeiten aus den 90er Jahren in Bilder, bzw. in Skulpturen und schaffen damit eine direkte und zugleich dem Stigma der Schrift entgegengesetzte, sinnliche Metapher für den Verdinglichungsprozess, dem, im Verwertungszusammenhang, alles Wissen unterliegt.

KEN LUMS Shopkeeper Serie zeigt Panels aus verschiedenen “Ladenschildern”, wie sie üblicherweise an Einkaufszentren angebracht sind, anhand derer die Betrachter sich eine story oder ein Bild der bezeichneten fiktiven Geschäfte und Individuen machen können. Schrift und Piktogramme verraten etwas über die ethnischen Hintergründe der Betreiber. Weiße Leerstellen stehen für Leerstände oder Schließungen und damit für die Vergänglichkeit und Unsicherheit einzelner individueller Teilnehmer im Auf und Ab der kapitalistischen Marktwirtschaft.

Die in der Ausstellung NEUE WARE im Shoppingcenter Dumont Carré versammelten Arbeiten spielen allesamt mit der Kategorie der Ähnlichkeit. Dennoch könnten sie der sie dort umgebenden Konsumwelt nicht fremder sein. Vielmehr enthalten sie, in quasi surrealer Weise, das Potential der Unterbrechung.