Galerie Nagel Draxler

Joseph Zehrer "neons"

Eröffnung: Mittwoch, 30. Oktober 2002, 19-21 Uhr
Opening: Wednesday, October 30th, 2002, 7-10 pm

JZ, Installationsansicht neons, 2002
JZ, Inzell, 2002InzellJZ Monu-Moments 2002BLYB2joseph-zehrer03BLYBBLYB-Im Aussen beleuchtetJZ, Installationsansicht2 neons, 2002Brechtleser-innenbrechtleserinnenJZ, Brechtleser I, 2002JZ, Brechtleser II, 2002JZ, Brechtleserin I, 2002JZ, Brechtleserin II, 2002JZ, By, 2002JZ, Detailnarziss, 2002JZ, Dysfunktionale Plastik, 2002 verk.JZ, Fahnenträger, 2002JZ, Link, 2002

Pressetext

Joseph Zehrer, dessen konzeptuell angelegtes Werk durch formale Strenge und minimalistische Serialität auffällt, schient den schmalen Grat zwischen Materialität und Immaterialität erforschen zu wollen. Einhergehend mit der Erprobung einer Ästhetik individueller und kollektiver Erinnerung, auch als Kommentar auf Zeitgeschehen, taucht, gleich einem Leitmotiv, der Faktor Zeit sowie das Transparente und Flüchtige in immer wieder neuen Spielarten und Referenzzusammenhängen auf.

Unter dem Titel neons präsentiert Zehrer eine als Werkgruppe konzipierte Serie von bildhauerisch generierten Zeichnungen und Acrylskulpturen, die er in einem diskursiv verbindenden Kontext zueinander in Beziehung setzt. Der Titel ist Programm: neon, zu griechisch = das Neue, Bezeichnung für farb- und geruchloses Gas, das bes. für Leuchtröhren verwendet wird (chem. Grundstoff); Zeichen Ne. Davon abgeleitet der Zehrersche Neonrelaismus, den er nicht ohne Ironie folgendermaßen beschreibt:: 1.) Neon = Erfindung der Welt; 2.) n = neu, null, negativ, no, nichts, nie, notorisch, nirgends und nervig.

In seiner aktuellern Ausstellung bei der Galerie Christian Nagel thematisiert Zehrer das klassisch tradierte bildhauerische Prinzip, das auf einem System von Opposition und Dualität basiert: Innen – außen; positiv – negativ; etc: Er überträgt diese Methode auf seine Zeichnungen, indem er das Papier wie Rohmaterial behandelt, aus dem eine Form herauszulösen ist. Ausgehend von der Materialästhetik des Papiers, operiert Zehrer in einem, wie er es nennt “Dazwischensein”, und definiert diesen Mikrobereich zwischen zweiter und dritter Dimension als “Indimensionalität”. Mittels eines Lackauftrags, der von der dünnen Papierschicht aufgesogen wird, erzielt er einen transparenten Effekt. Als sei sie schon immer dagewesen, tritt nun die ausgesparte Fläche als freigestellte Form plastisch in den Vordergrund und nimmt so skulpturalen Charakter an. Inspiriert von Leuchtreklamen, Displays, etc., basierend auf der Idee des von hinten angestrahlten Bildes, wie bei einem Leuchtkasten, platzierte Zehrer die weißen Zeichnungen vor farbigem Hintergrund aus popig buntem Neonkarton: Zweifarbig in strenger “Hard Edge”-Manier bei den kleinformatigen Monu-Moments oder monochrom zugunsten einer räumlich plastischen Wirkung. Hinter- (Mittel-) und Vordergrund sind sowohl zusammengehörig, wie auch als potentiell für sich stehende Teile zu sehen. Separat behandelt, bilden sie dennoch eine Einheit, das Motiv der Figur-Grund- Beziehung thematisierend. Das Wechselspiel von Weiß und Farbe wiederholt sich auch bei den Skulpturen als formalästhetisches Konzept, indem sich Zeichnung und dreidimensionaler Hausskulptur aus Acrylglas. Beim Entwurf der Hausskulptur ging Zehrer von menschlichen Maßen aus. Die als Faltkonstruktion konzipierte Skulptur verweist aufgrund ihrer komprimierten Form gleichzeitig auf die Symbolhaftigkeit des Hauses als Zeichen.

Zuerst war das weiße Haus da. Als Foto in den Computer eingescannt, kann es jede andere Farbe annehmen. In der Ausstellung steht es von innen mit Neonröhren ausgeleuchtet wie ein exemplarisches Modell isoliert für sich. Die anderen bilden als Ensemble gruppiert, in der Reihenfolge blau, braun, gelb, eine Art Parcours monochromer Lichträume, wobei das Licht einen eigenen (erlebbaren) Innenraum inszeniert, indem sich der Betrachter als Körper wahrnimmt. Zehrer geht es um die Variabilität von Wahrnehmung und setzt auf die Imaginationskraft des Betrachters. Die Häuser funktionieren auf ähnliche Wiese wie die Leuchtkästen. Befindet man sich im Leuchtkasten als das Darstellende, das sein Erscheinen selbst bestimmen kann, so wird man selbst zu Abbild.