Galerie Nagel Draxler

Lutz Braun "Lichtjahre"

Eröffnung: Frietag, 27. August 2010, 19-22 Uhr
Opening: Friday, 27. August 2010, 7-10 pm

Lutz Braun
"Lichtjahre", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Ludger Paffrath
Lutz Braun
"Lichtjahre", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Lichtjahre", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Lichtjahre", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Lichtjahre", 2010
Installationsansicht
Galerie Christian Nagel, Berlin

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"1000 Vietnams"
Acryl auf Leinwand
100 x 140 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Nie Gestorben, Nie Gelebt"
Acryl auf Leinwand
110 x 130 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Nawarija"
Acryl auf gemischten Textilien
103 x 180 cm

Photo: Simon VogelLutz Braun
"Norwegen 1948"
Acryl auf Leinwand
61,5 x 212 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
o.T.
Acryl auf Leinwand
100 x 140 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Schweden 1973"
Acryl auf Leinwand
175 x 200 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Angerboda"
Acryl auf Baumwolle
130 125 cm

Photo: Simon VogelLutz Braun
"Alarmwasser"
Tusche, Buntstift und Bleistift auf Papier
45,5 x 31,5 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Alleine reiten"
Computerausdruck
21 x 30 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Corpse Telefon"
Tusche auf Papier
29,5 x 21 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Kuhstallruine"
Gouache und Tusche auf Holz
30 x 41,5 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Frau"
Computerausdruck
30 x 21,5 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Frechen 1974"
Acryl auf Leinwand
160 x 100 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Geist Identität"
Tusche und Buntstift auf Papier
29,5 x 21 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Heidelbeere"
Tusche auf Papier
14,5 x 20,5 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Himbeere"
Tusche auf Papier
14,5 x 20,5 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Radar grün"
Tusche und Buntstift auf Karton
29,5 x 21 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Schreiwald"
Tusche und Buntstift auf Papier
29,5 x 21 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Speed Burial Ground"
Tusche und Gouache auf Papier
29,5 x 21 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Waldende"
Gouache auf Papier
22,5 x 45 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"Wasserbombe"
Tusche auf Holz
50,5 x 30 cm

Photo: Ludger PaffrathLutz Braun
"70er Jahre"
Tusche auf Papier
31,5 x 24 cm

Photo: Ludger Paffrath

Pressetext

Lutz Braun ist ein Zauberer geisterhafter Bilder, die auf einem subtilen Expressionismus basieren, der wiederum dem Realen entspringt. In seiner Bildgestaltung kehrt der Künstler zu einer Qualität zurück, die inmitten der virtuellen Grundlage seiner Generation der späten 90er Jahre als reproduzierte Wirklichkeit gewertet wird. Die bewusst undatiert gelassenen Arbeiten existieren also in einem vergangenen Zeitvakuum, frei von allen digitalen Dingen; gleichzeitig korrespondieren sie mit dem tief aufgewühlten, technokratischen Globalismus des Jahres 2010.
Mit seiner neuen Bilderserie Lichtjahre treibt Lutz Braun sein Konzept des ‘Abstrakten Rea-lismus’ mit Bildern, die seine Wahrnehmung von Realismus, Abstraktion und Zeit synthetisie-ren, voran. Hat der Künstler vorher noch von gefundenen Materialien wie Holz, Teppichen und anderen billigen Textilien oder synthetischen Stoffen als Malgrund Gebrauch gemacht, so ersetzt er dieses experimentelle Verfahren nun durch eine reine Malerei auf Leinwand. Es zeigt sich gewissermaßen ein Reifeprozess des Malers, der die Schwere der Geschichte der Malerei hinter sich lässt, indem er seine persönliche ikonoklastische Perspektive auf eine neue Ebene bringt.
In seinen Bildern schlummert stets eine unruhige Verbindung zwischen Natur und Mensch. Innerhalb des Abstrakten erblüht eine dürre Landschaft und eine explizite Zeichensetzung füllt die Darstellung mit allegorischen Referenzen an, die zum Beispiel auf Gewalt, eine ent-fremdete und emotional losgelöste Jugend, die Psychoanalyse, Träume oder die Philosophie der Frankfurter Schule (Fromm, Adorno) sowie das Unheimliche anspielen. Die fleckig aufge-tragenen, zarten und sinnlichen Farben verlaufen im dichten Gewebe der Leinwand.
Verbrannte Wälder inmitten eines winterlichen Bergpanoramas verströmen den Eindruck einer naturalistischen Romantik, wenngleich mit einer weniger gefühlsgeladen Gestik als die der ‘Angst’ des abstrakten Expressionismus. Ein einfach und verprügelt aussehender Junge umklammert inmitten eines braunen abstrakten Geflechts eine AK47, während in der Entfer-nung ein Feuer lodert. Eine strohbedeckte Hütte, ein Grabstein und angedeutete Holzba-racken in einer einsamen Landschaft, überzogen von rußigen, graublauen Linien und dün-nen schwarzen Strichen, werden mit einer Monochromie aus kühlen und warmen Pinktönen unterlegt.
In einer solch narrativen Vergessenheit wird eine geisterhafte Präsenz spürbar. Es erscheint eine geistige Ebene, auf der sich vielleicht die Schmerzen der verschwundenen Alten Welt oder der psychisch kalte Schweiß eines wiedervereinigten Deutschlands zeigen, das sich als zentraler Akteur innerhalb des alten Europas zitternd versteckte, welches sich wiederum nun zu einem Superstaat zusammengeschlossen hat.
Die Freiheit und die Individualität eines Revolutionärs romantisierend, vertraut Lutz Braun seinem eigenen Erinnerungsvermögen, um die mit Klischees behafteten Malstile zu über-winden. Durch den Kunstgriff der narrativen Erfindung drückt er unsere unbewussten, mit Furcht beladenen Ängste aus. Subtil lehnt er die falschen Werte der Konsumkultur seiner Generation ab, indem er die Kehrseite, nämlich die Desillusionierung und Ernüchterung, ein-hergehend mit einem aufkeimenden globalen gesellschaftlichen Feudalismus, aufzeigt.
Für die neu aufkommende Folklore des 21. Jahrhunderts ist er ein rächender Engel und sein eigener Weggefährte: gut ausgestattet, um den Scheinwerfern einer Schattenwelt voller Täuschungen auszuweichen, bevor die Infobots versuchen, die menschliche Psyche zu kon-trollieren.

Max Henry (dt. Übersetzung: Galerie Christian Nagel, Berlin)