Galerie Nagel Draxler

Stephanie Taylor "Gutter Foal"

Eröffnung: 5. September 2003, 19-22 Uhr
Opening: September 5th, 2003, 7-10 pm

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Pressetext

“Twisted flies clog the skull.”
(“Verdrehte Fliegen verstopfen den Schädel.”)
a roan

Stephanie Taylor (geb.1971, lebt und arbeitet in Los Angeles) präsentiert zur Saison-eröffnung ihre Ausstellung “Gutter foal” (Gassenfohlen) in der Galerie Christian Nagel. Taylors Arbeit bewegt sich innerhalb eines komplexen Sprachsystems aus Klang, Bildern und popkulturellen Erzähltechniken. Grundlage ihrer Arbeit sind Alphabetposter und von der Künstlerin ausgewählte Sätze, deren Silben in neue Worte übersetzt und zu neuen Sätzen kombiniert werden. So war beispielsweise die Hauptfigur ihrer Ausstellung in der Galerie Christian Nagel in Berlin ein Sailor, was sich ihrem eigenen Namen Taylor ergab. Mit dieser Arbeitsweise entwickelt sie Charaktere und durch die Kombination ihrer Namen ergeben sich Sätze, die das Verhältnis zwischen ihnen bestimmen. Daraus wiederum entwickelt Taylor ganze Gedichte und Geschichten. Selbst die Art und Weise der ästhetischen Umsetzung ergibt sich aus diesem Vorgehen.

Das Konzept der Ausstellung “Gutter Foal” erklärt sie folgendermassen: “The phrase “Text for an alphabet poster” births a baby horse born in the gutter to a police horse mother who is forced to abandon her foal because she must keep working. The young horse, named Lanar, is adopted by an animal lover named Valerie who is eventually framed for her murder…”

Im vorderen Raum der Galerie geht es um die Gegenwart, um Valerie, die im Gefängnis sitzt, während im hinteren Raum erzählt wird, wie es dazugekommen ist, dass Lanar starb. Vergangenheit und Gegenwart werden somit Teil der sprachlichen Konstruktion, die sich im Galerieraum manifestiert. In den Graphiken und Zeichnungen werden ausschließlich Druckbuchstaben verwendet. Diese entsubjektivierende Haltung spiegelt sich auch darin, dass die Zeichnungen von Lanars Geschichte nicht von Taylor selbst, sondern von dem Illustrator Steve Redd nach den Vorgaben der Künstlerin gezeichnet wurden. Stilistisch erinnern die Illustrationen, genau wie die Geschichte von einem Fohlen, die mit Wörtern aus kurzen Silben erzählt wird, an Kinderbücher und Reime, also eigentlich an sehr einfache und klare Erzählweisen. Dennoch verwirren Silbenkombinationen und Klangübersetzungen. Die spröde Wortmechanik gesteht einem nicht zu, sich wirklich dem Fluß der Geschichte hinzugeben. Inhalte ergeben sich aus dem Zufall und der persönlichen Deutung und Gewichtung der Ergebnisse. Sprache wird hier als ein reines Notationssystem begriffen. Im Gang durch die Galerie von der Ausstellung hebt sich die Geschichte Lanars im Konzept auf. Die offensichtliche Identität von Inhalt und Form wird letztlich in Frage gestellt.

Zu der Ausstellung werden zwei CD-Editionen präsentiert, “Gutter Foal (Gramp’s goat says “look!”)”, die zu ihrer Ausstellung in Köln erscheint, und “Adria”, Taylors Komposition für die gleichnamige Ausstellung in der Galerie Christian Nagel in Berlin im März 2001. Die musikalische Grundlage ihrer semantischen Arbeit mit Klangwerten wird in Taylors Arbeit mit Musik genauso deutlich wie ihre Nähe zu den Arbeiten Kurt Schwitters und der Lettristen.