Galerie Nagel Draxler

Stefan Müller "Flieht! Ihr Narren!"

Eröffnung: Samstag, 5. März 2005
Opening: Saturday, March 5th, 2005

SM, Installationsansicht1, 2005
SM, Installationsansicht11, 2005SM, Installationsansicht23, 2005Nagel 101Nagel 104Nagel 111Nagel 117SM,Boulder Dash, 2005

Pressetext

STEFAN MÜLLER

„Flieht, Ihr Narren!“

Eine Arbeit in Stefan Müllers Ausstellung „Flieht, Ihr Narren!“ in der Galerie Christian Nagel, Köln, zeigt einen dichten Regen aus orange, türkis und lila farbigen Farbtropfen. Darin hat sich ein Kreis gebildet, wie ein nasses Glas ihn auf einem Tisch hinterlässt. Die Spur kommt dadurch zustande, dass Müller mit Acrylbinder einen unsichtbaren Kreis auf eine Leinwand gezeichnet hat, so dass die Farbe hier anders reagiert, dichter ineinander läuft, als auf der ansonsten unbehandelten Oberfläche. Acrylbinder, Kunstharz oder Bleiche dienen ihm auch in weiteren Arbeiten, um auf scheinbar flüchtige Art und Weise etwas Unsichtbares sichtbar zu machen.

Anstatt den Pinsel in die Hand zu nehmen, weicht Müller auch in weiteren Arbeiten auf alternative Techniken aus. Auf einem Bild mit dem Titel „Restless Legs-Syndrom“ (2005, Filzstift, Staub auf Nessel, 240 x 200 cm) findet man einige Fußspuren, Staub und drei unfertige Eddinglinien. In zwei weiteren Arbeiten hat Müller buntes Papier wie Farbproben in Reihen auf die Leinwand appliziert und anschließend decollagiert. Auch das Tropfen von Farbe erscheint bei Müller nicht, wie bei Pollock, als eruptiver körperlicher Akt, sondern eher als Versuch, sich der notwendigen Kontrolle über den malerischen Prozess zu entziehen.

Stefan Müller versucht, mit einfachsten Mitteln und einem aufs Rudimentäre reduzierten Formenvokabular, etwas auf den Punkt zu bringen. Für diese Entschiedenheit sprechen auch die großen, hochformatigen Leinwände. Mit einer Arbeit, die den Titel „Modemaschen Nr. 97“ (2005, Filzstift und Bleistift auf Nessel, 160 x 140 cm) trägt und harmlos bunte Hakenkreuze zeigt, positioniert sich Müller eindeutig zu bestimmten Tendenzen im aktuellen Kunstgeschehen – obwohl sich Müllers Arbeitsweise wohl eher als persönlich, denn als politisch bezeichnen lässt. Grundsätzlich könnte man von einem persönlichen Formalismus sprechen. So, als würde das Verallgemeinernde, der große Anspruch, der in der Abstraktion liegt, durch das Understatement wieder aufgehoben, dass man nur spielerisch andeuten kann, was sehr ernst gemeint ist.

Mit Motiven wie dem Kreis oder dicht geschichteten farbigen Linien nähert sich Müller Vorbildern wie Kenneth Noland oder Morris Louis. Das gilt auch für eine Reihe von Leinwänden, die ein mit Bleiche und bunten Filzstiften gezeichnetes Vieleck zeigen, dass sich im Keilrahmen verklemmt hat. Eines davon trägt den Namen “Boulder Dash” (2005, Bleiche, Filzstift auf Leinwand, 230 x 180 cm). – benannt nach einem gleichnamigen Computerspiel, das in einer Smaragdmine spielt. Das leuchtend bunte Sechseck, das die Form eines Edelsteins andeutet, scheint allerdings auf dem groben Maluntergrund zu versanden. Schließlich wäre es im aktuellen künstlerischen Diskurs wohl auch ein Fauxpas zu behaupten, Müller ginge es um „Schönheit“.