Galerie Nagel Draxler

Christian Philipp Müller "A Taste For Money"

Eröffnung: Freitag, 8. März 2002, 18-22 Uhr
Opening: Friday, March 8th, 2002, 6-10 pm

Christian Philipp Müller
"A Taste For Money", 2002
Ausstellungsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon Vogel
Christian Philipp Müller
"A Taste For Money", 2002
Ausstellungsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelChristian Philipp Müller
"A Taste For Money", 2002
Ausstellungsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelChristian Philipp Müller
"A Taste For Money", 2002
Ausstellungsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon VogelChristian Philipp Müller
"A Taste For Money", 2002
Ausstellungsansicht
Galerie Christian Nagel, Köln

Photo: Simon Vogel

Pressetext

Christian Philipp Müllers (geb. 1957 in Biel, Schweiz) Ausstellung A TASTE FOR MONEY könnte
man als ein Portrait Europas zum Zeitpunkt der Einführung des Euros bezeichnen – ein Portrait
aus Schokolade.
Die Räumlichkeiten der Galerie Christian Nagel beherbergten früher einen Supermarkt. Ihnen ist eine hybride Form von Warenästhetik und musealer Ästhetik eigen, die Ausgangspunkt für Müllers Arbeit ist. In Rückgriff auf das Ready-made stellt er in zwölf Vitrinen ein repräsentatives Schokoladenangebot der Mitgliedsländer der europäischen Währungsunion aus.
In jeder Vitrine findet man eine Auswahl an Schokoladentafeln und Trinkschokoladen, die es in den verschiedenen Ländern zu kaufen gibt. Es wird deutlich, daß die Geschichten, die ein Produkt über seine Verpackung mitteilt, wie Fragen der Herkunft, der Zusammensetzung und des Fair-Trade, heute für dessen Kauf ausschlaggebend ist. In diesem Sinne findet man in den Schaukästen Textauszüge aus Webseiten von Forschungsinstituten der Schokoladenproduzenten, die weniger als wissen- schaftliche Information denn als Werbung zu lesen sind. In blauer Schrift gibt es außerdem Texte zum Euro und Photographien der nationalen Zentralbanken.
Aus dem Spiel mit den unterschiedlichen Bild- und Textebenen wird Müllers Analogie zwischen Schokolade und Währung, in deren Genuß jeder gerne käme, deutlich. Sein Vergleich spiegelt sich in der wissenschaftlichen Behauptung einer Verbindung zwischen Bruttosozialprodukt und der Höhe des nationalen Schokoladenkonsums, die durch ein Europa geistert das die Goldbindung längst hinter sich gelassen hat. Eine Photographie des Rohstoffs, Kakaobutter, die Müller jeder Vitrine beigefügt hat, verweist nicht zuletzt auf die europäische Wirtschaftspolitik, die der Einführung von Kakao- ersatzprodukten zugestimmt hat.
Seinem europäischen Portrait setzt Müller die Arbeit THE SWEETEST PLACE ON EARTH entgegen. Fünf Wandschaukästen mit Ansichten städtischer Institutionen und Privathäuser charakterisieren die amerikanische Stadt Hershey, deren Existenz allein auf der Schokoladenproduktion beruht, als eine Art Corporate Utopia, die im städtischen Erscheinungsbild längst Risse aufweist.
A TASTE FOR MONEY steht im Zusammenhang mit Christian Philipp Müllers Installation INFORMATION ZUR DISTRIBUTION KULTURELLER ANDENKEN IN FORM VON SÜSSWAREN IN WEIMAR, 1996-2002, die in der Ausstellung ÖKONOMIEN DER ZEIT im Museum Ludwig zu sehen sein wird. Müller reflektiert mit dieser Arbeit nicht nur, inwiefern das Museum an der Wertsteigerung eines Produkts im Warenkreislauf beteiligt ist, sondern auch inwiefern die Institution über die Repräsentation eines gesellschaftlichen Wirtschaftssystems hinaus, in dieses auch direkt eingreift.
In dem Bewußtsein, daß sich der Galeriebesucher dem verführerischen Gedanken an den Geschmack der Schokolade nicht entziehen kann, kommentiert Christian Philipp Müller in seiner Ausstellung auf humorvolle Art und Weise, den Zusammenhang zwischen persönlichem Geschmack und gesellschaftlichem Werturteil.